Ja, so einfach ist das: JUNKIE! 17 Jahre Internet haben mir ordentlich die Hirnwindungen durchgepustet. Nachrichten, E-Mails, Foren, Facebook, all der Scheiß. Diese ständige Gier … “irgendwas neues im Web?”
“Meister des Chaos”? – Daß ich nicht lache! In meinem Hirn ist NUR noch Chaos, das ich nicht mehr im mindesten beherrsche! Momentan wäre ich überhaupt nicht in der Lage sowas wie damals die APPD oder die Chaos-Tage durchzuziehen.
Fakt ist, daß ein dermaßen großes Durcheinander in meinem Kopf herrscht, daß ich kaum noch fähig bin, meinen Standpunkt zu bestimmen oder einen Gedanken über längerer Zeit konzentriert zu verfolgen. So, wie der Alkoholiker ständig an das nächste Bier denkt, gibt es bei mir keine fünf Minuten, in denen ich nicht nach irgendwelchen ach so wichtigen Informationen giere. Die ich dann aber am Ende überhaupt nicht sinnvoll verwerten kann. Overkill!
Ich muß etwas tun, wenn ich all das überleben will. Das mag sich überkandidelt anhören, aber ist dennoch nur wahr. Jemand, der so was nicht selbst erlebt, kann sich definitiv nicht vorstellen, wie sich auflösende geistige Substanz für den Betroffenen anfühlt. Es gerät mehr und mehr zum totalen Terror – weshalb ich durchaus nachvollziehen kann, wie es einem Rudi Assauer gerade geht. Zumindest ein bißchen!
Was also tun?
Den Ratschlag “einfach damit aufhören” könnt Ihr Euch schenken. Eigentlich jeden Ratschlag. Versuch mal, einem Junkie schlaue Tips zu geben. Du wirst nicht sehr erfolgreich sein. Das ist mein verdammtes Business, meines ganz allein. Wenn ich nicht zum Patienten werden will, muß ich SELBST ein paar Dinge in Bewegung bringen. Nur so kann eine Re-Programmierung meines Gehirns gelingen.
WIE ich das versuche, darüber werde ich Euch an dieser Stelle auf dem Laufenden halten. Daß es auch gelingt, kann ich nur hoffen.
Das hört von alleine auf, sobald man etwas Anderes hat das einem Spaß macht (Erfüllung bereitet, wasauchimmer). Das meiste im Netz ist ja so gesehen nix anderes als Übersprungshandlung. Viele kleine bewältigungsfähige Aufgaben… eigentlich müsstest Du Abwaschen und vorher aufs Klo.
Stattdessen gehts Du aufs Klo und twitterst “Ich geh kacken!”. Dann klickste noch auf dies, dann auf das, suchst ein Lied auf YT oder schrubbelst dir einen auf xyvideos, zack sind drei Stunden rum und abspülen tust Du morgen.
Jetzt mal grob vereinfacht gesagt.
Ich hab die Newsletter übrigens gelesen!
fact is- the age of mystic revelations degenerated to cumshotcompilations.
Zitat Nagel: “…keine fünf Minuten, in denen ich nicht nach irgendwelchen ach so wichtigen Informationen giere. Die ich dann aber am Ende überhaupt nicht sinnvoll verwerten kann.”
=> Bei GAR KEINER Information ist alles sinnvoll zu verwerten!
Also mach’s halt!
Fast wäre ich auch diesem Info-Gehetze verfallen. Dann hab’ ich mir gesagt, hat das der Hase in seiner Jugend gebraucht??? Nö. Als kleiner Hase mit den schönen Tarn-Ohren konnte ich mich IMMER auf meine Hasennase verlassen. Die hat mich seit einem Vierteljahrhundert nun nicht im Stich gelassen. Als nunmehr gereifter Hase habe ich schon mehrmals erlebt, daß diese vermeintlich großen, gut informierten Drehohrenträger sich gar zu oft umsonst abhetzen. Da ruhe ich lieber aus und gehe mein Tagewerk geruhsam an. Sollte es dann wirklich mal sein müssen, dann kann der Hase immer noch schnell weit und quer.
Hahahase, weiss nicht ob Hasen ein gutes Beispiel dafür sind, da diese Tierchen ja oft dabei zu beobachten sind wie sie vor lauter rammeln sogar das Essen vergessen
WIR WERDEN ALLE STERBEN! -So what *gähn*
2 Aspekte
A- Du bist nich derselbe junge Typ wie damals. Bei gleicher chaotischer Denk-, Lebens,- Arbeitsweise ist vielleicht nicht mehr genug brutale Power da, um durch die ganzen Ablenkungen (trotzdem) zu nem Ziel zu kommen. Wie gesagt, auf die gewohnte Weise nicht. Wenn das stimmt, wirst du nicht blöde, sondern nur älter. Du hast bestimmt nicht nur Fähigkeiten verloren, sondern auch andere gewonnen. Man hält sich aber lieber am Negativen auf und mäkelt daran herum, es fällt einem ja auch leichter auf, was schlechter ist als vorher.
B- Der Netzkonsum formt unsre Hirne um, die Aufmerksamkeitsspannen werden kürzer, immer schneller geht das Karussell. Ich selber zB kann schon lange nicht mehr einen Film zuendegucken- auch wenn er mich interessiert und eigentlich ganz spannend ist- sobald es zuviel vom Gleichen ist, will mein Hirn was andres haben. Z.B. nen andern Film zu gucken (anfangen).
Fazit/Tipp 1: Überforderungserlebnisse als natürliche und logische Folgen des Laufs der Zeit hinnehmen. Und zwar mit einem ehrlichen Amüsement, d. h. mit der eigenen Beschränktheit und Vergänglichkeit sich psychisch anzufreunden. Schreib nen Song drüber, hehe. Aber im Ernst, als Künstler hast es ja echt leicht mit dem Verarbeiten. Verwurstest es einfach.
Tipp 2: Das is jetz nich so einfach: Neue Kompetenzen bzw Qualitäten erkennen und mit neuen “Arbeits”weisen in befriedigende Bahnen lenken. AAARGH WELCHER POLITKER hat mir DEN SATZ denn gerade in die Tastatur geleitet?!? Klingt schön, bringt nix!!
Mal anders:
Geh mal wieder im Park spazieren, das machen Opis so. Den Computer einfach mal 2 Abende hintereinander aus lassen und n neues Regal in die Küche basteln oder sowas. N bisschen Urlaub machen (hab ich dem Junkie grad zu kaltem Entzug geraten?? WTF schnell abschicken drücken sonst findet das nie ein
Klare Sache, natürlich haben meine Probleme auch viel mit dem Älterwerden zu tun. Das Energielevel läßt halt nach. Ich kann damit auch umgehen, aber manchmal muß man dann eben auch den Rückwärtsgang einlegen. Was manchmal ganz schön schwierig ist … ich weiß oft gar nicht, WIE das geht! Ansonsten rennst Du mit Deinen Vorschlägen eh offene Türen ein … bin ja schon dabei, mein Leben zu ent-digitalisieren …
Hi Peter,
weiß noch was du mir gesagt hast, als wir die erste Seite für print auf irgendeinen Server in NY gestellt haben: “Mensch, das Internet ist die letzte Anarchie, die wir leben können!” Ja lang ist´s her, die Zeiten haben sich geändert, aber wir leben noch und das doch auch ganz gern.
Lg
aus Hannover
Ja, das Anarchische im Internet hat sich mittlerweile ziemlich erledigt.
Ansonsten … schön, von Dir zu hören, Christiane!