Wer kennt nicht irgendeine Variante des Spruchs: “Das schöne an der Verblödung: Man merkt nichts davon!”? Klingt gut, ist aber leider falsch. Man merkt eine Menge davon. Und das wiederum macht richtig viel Angst.
Natürlich geht es mir nicht um eine gelegentliche Gedächtnisschwäche. Wenn Du auf dem Weg vom Bad ins Wohnzimmer einfach vergisst, was du da eigentlich willst. Passiert jedem, ist harmlos.
Richtig mies wird es aber, wenn du schon im Bad WEISST, daß Du bei der Ankunft im Wohnzimmer blöde in der Gegend herumstehen wirst. Dann kannst du dir auf dem Weg dein Vorhaben nur wie ein Mantra stängig vor dir her murmeln und hoffen, daß das reicht.
Tut es aber oft nicht.
Oder noch schlimmer: Du weißt nicht einmal mehr, daß du überhaupt was vorhattest. Setzt dich einfach in den Sessel, schaltest das Smartphone ein, weil dir gerade ein ungemein wichtiger Gedanke gekommen ist: Wie kalt ist es eigentlich draussen? Nicht, daß du rausgehen willst – nein, du willst es einfach nur WISSEN!
Und so verschwindet das, was du vorher noch ganz sicher im Schädel hattest, einfach im NICHTS!
Das ganze ist kein biologisches Problem, kein Prä-Alzheimer, kein Parkinson, keine Schizophrenie. Sondern eine ganz normale Verblödung, hervorgerufen durch das, was man tut.
Ich nenne das mittlerweile “mentale Fragmentierung”. Ständig poppen neue Gedanken in meinem Kopf auf und verdrängen die alten. Und werden wiederum von ganz neuen Geistesblitzen gekillt. Alles 15 Sekunden ein Reboot. Ich bin komplett im JETZT, es gibt keine Vergangenheit oder Zukunft. Der Geist zerplittert in viele kleine Fitzelchen und Splitter. Fragementierung eben!
Wenn einem ein derartiges Feuerwerk durch die Gehirnwindungen gejagt wird, dann wird es z.B. schwer, längere Texte zu lesen, weil einem ständig jemandem von der Seite reinquatscht und ein neues Thema aufdrängen will. Das sind die Momente, in denen ich diesen brandheißen Dingen schnell mal im Web nachgehen will. Vielleicht notiere ich es mir auch. Notizen, die ich nie wieder lesen werde!
Ich habe in den vergangenen Jahren immer weniger Bücher gelesen. Wenn nach 10 oder 20 Seiten immer wieder Schluß ist, weil einem was besseres einfällt, dann kommt man zu nix.
Am Ende führt diese hemmungslose Party Tausender Gedanken in die völlige Handlungsunfähigkeit. Ich fühle mich paralysiert durch das Bewußtsein, daß es auf jedes Argument ein ebenso schlaues und schlagkräftiges Gegenargument gibt. Alles wird willkürlich und egal, weil unlösbar.
Ich kann immer weniger Dinge bewerten und danach handeln, denn das würde ja bedeuten, fünfe gerade sein zu lassen und einfach mal darauf zu scheißen, ob ich nun falsch oder richtig liege. Manchmal muß man ungerecht sein, um ÜBERHAUPT etwas zu tun. Das macht bis zu einem gewissen Grade das Menschsein aus: Ein ungerechter Idiot sein und nicht der liebe Gott!
Es fällt mit immer schwerer, meine Gedanken und Gefühle aufzuschreiben, weil ich nicht mehr in der Lage bin, mein inneres Chaos zu enziffern oder gar zu dechiffrieren. Das macht z.B. das Schreiben von Songtexten fast unmöglich.
Wenn man im Oberstübchen nur von einem Thema zum anderen hüpft, dann ist man nicht mehr in der Lage, einem Roten Faden zu folgen oder gar einen zu entwickeln. Dadurch kann ich mittlerweile wirklich komplexe Themen und Texte weder verfolgen noch schreiben.
Die Momentaufnahme gelingt mir noch ganz gut, so wie in diesem Text, aber der Überblick ist schon lange verloren.
Das ist wie bei Kiffern, die elend lange ihr “Man müßte mal …” zelebrieren können, aber den Arsch für nix mehr bewegen. Alles zerfließt im endlosen Nichts.
Ja, so ein Gehirn ist auch nur ein der verdammtes Organ. Wenn man es wie ein Stück Scheiße behandelt, dann kann es auch vor die Hunde gehen. Kein Wunder, daß es mir auch immer schwerer fällt, z.B. Songtexte auswendig zu lernen. Ohne Konzentration bist du da auf verlorenem Posten.
Wie oft sitze ich einem leeren Blatt Papier – oder einer leeren Datei – und mache einfach NICHTS? Und wie oft kommt es nicht nicht einmal dazu, weil ich mich gar nicht erst in diese üble Situation bringe?
Blockaden regieren mein Leben.
Darauf erst mal einen Schluck aus der Pulle? Oder in diesem Fall ein Blick auf SPIEGEL ONLINE? Schauen, was die Griechen gerade treiben?
Nee. Habe mich gerade schön in Rage geschrieben. Das ist gut. Jetzt lieber schnell raus, Brötchen holen und frühstücken.
Und danach vielleicht mal überlegen, wie ich die Mega-Bombe bauen kann, die das Internet vernichtet. Oder lieber gleich die Menschheit?
Keine Panik, Amigo… habe deine neuesten Comics eben abgeschickt!
Sag Bescheid, wenn du einen Weg da raus findest. Mir geht’s oft nicht anders.
Ich halte Dich hier auf dem Laufenden …
ja klar (oder eben nicht), so richtig gruselig wird es aber vor allem dann, wenn die körperfunktionen nicht mehr auf komando funktionieren – oder man am ende des satzes nicht mehr weiss was man drei worte vorher gedacht hat